Hammer | Säge | Bohrer

Was macht eigentlich ein Schreinerlehrling?

Heute wollen doch alle studieren! Stimmt nicht. Wir stellen junge Leute vor, die ihren Berufsweg mit einer Ausbildung starten. Vom klassischen Handwerk bis zu New Economy.
Folge 1: „der Schreinerlehrling“

Paul Eder (21) ist nach der 11. Klasse ohne Abschluss von der Waldorfschule Landsberg gegangen. Nur in der Schule sitzen, das taugte ihm nicht mehr. Er wollte einfach was Handwerkliches machen, und für eine Schreinerlehre braucht man kein schulisches Abschlusszeugnis. Drei Jahre später ist er als Geselle „frei- gesprochen“, hat einen wunderschönen Schreibtisch (3. Platz im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk“) zu Hause stehen, die Mittlere Reife mit 1,2 in der Tasche und viele Pläne für sein weiteres Berufsleben im Kopf. Für Bertl berichtet er aus seiner Lehrzeit.

Foto: Johann Eder

Das erste Jahr – selbst die Schule ist praxisorientiert
„Das erste Jahr ist das Berufsgrundschuljahr Holztechnik. Das war eigentlich das coolste Jahr. Man lernt alle Leute kennen, am Anfang waren wir 40, da sind dann auch viele dabei, die noch nicht wissen, wie es weitergeht, die haben nach dem Jahr zumindest den Hauptschulabschluss und machen dann vielleicht was anderes. Das erste Jahr besteht nur aus Schule, wenn auch ziemlich praxisorientiert. Wir lernen die Grundlagen der Holzverarbeitung und das Werkzeug kennen, konstruieren und bauen erste kleine Dinge, wie zum Beispiel Hocker, und machen kleine
Praktika in Betrieben.

Aber auch die normalen Schulfächer wie Deutsch, Mathe, Ethik oder Sozialkunde sind einfach viel praktischer ausgerichtet. In Deutsch üben wir zum Beispiel Bewerbungsschreiben, in Sozialkunde besprechen wir Gesetze, die für den Beruf relevant sind. Früher habe ich in Mathe etwas gerechnet und wusste nicht, wofür ich das tue. Jetzt haben wir Holzmaße und Dinge berechnet, mit denen ich konkret was anfangen kann. Das war schon super.“

Das zweite Jahr – im Betrieb
„Das zweite Jahr verbringt man hauptsächlich – bis auf einen Schultag die Woche – im Betrieb, den man sich zuvor ausgesucht hat. Ich war in einer kleinen Schreinerei, die alles gemacht hat, von Massivholzmöbeln bis zur Fenstermontage. Es ist schon toll, wenn man sieht, was bei der eigenen Arbeit herauskommt. Weniger Spaß macht es, wenn man längere Zeit immer das Gleiche machen muss, also zwei Wochen nur alte Fenster abkratzen, das ist nicht so cool.“

Das dritte Jahr – auf dem Weg zum Gesellen
„Das dritte Jahr ist eigentlich ähnlich wie das zweite, nur entwirft und arbeitet man nebenbei auch noch an seinem Gesellenstück. Ich habe einen Massivholzschreibtisch aus Esche gebaut.“

Wie geht es weiter?
„Jetzt will ich erst mal ein Jahr durch die Gegend reisen und kleinere Jobs annehmen. Für 2023 habe ich die Zusage für die Meisterschule in Garmisch. Danach will ich mich mit ein paar Freunden selbstständig machen und eine eigene Schreinerei aufbauen. Dann wollen wir auch das Prinzip Chef oben, Angestellter unten durchbrechen. Vielleicht spezialisiere ich mich auf den Bau von Massivholzmöbeln, das ist nachhaltig, das gefällt mir. Oder ich baue Campingbusse individuell aus. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, kein Abi zu machen und nicht den akademischen Weg einzuschlagen. Das Praktische entspricht mir viel mehr und macht einfach Spaß.“

Text: Silke-Katinka Feltes

Hammer | Säge | Bohrer

Was macht eigentlich ein Schreinerlehrling?

Heute wollen doch alle studieren! Stimmt nicht. Wir stellen junge Leute vor, die ihren Berufsweg mit einer Ausbildung starten. Vom klassischen Handwerk bis zu New Economy.
Folge 1: „der Schreinerlehrling“

Paul Eder (21) ist nach der 11. Klasse ohne Abschluss von der Waldorfschule Landsberg gegangen. Nur in der Schule sitzen, das taugte ihm nicht mehr. Er wollte einfach was Handwerkliches machen, und für eine Schreinerlehre braucht man kein schulisches Abschlusszeugnis. Drei Jahre später ist er als Geselle „frei- gesprochen“, hat einen wunderschönen Schreibtisch (3. Platz im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk“) zu Hause stehen, die Mittlere Reife mit 1,2 in der Tasche und viele Pläne für sein weiteres Berufsleben im Kopf. Für Bertl berichtet er aus seiner Lehrzeit.

Foto: Johann Eder

Das erste Jahr – selbst die Schule ist praxisorientiert
„Das erste Jahr ist das Berufsgrundschuljahr Holztechnik. Das war eigentlich das coolste Jahr. Man lernt alle Leute kennen, am Anfang waren wir 40, da sind dann auch viele dabei, die noch nicht wissen, wie es weitergeht, die haben nach dem Jahr zumindest den Hauptschulabschluss und machen dann vielleicht was anderes. Das erste Jahr besteht nur aus Schule, wenn auch ziemlich praxisorientiert. Wir lernen die Grundlagen der Holzverarbeitung und das Werkzeug kennen, konstruieren und bauen erste kleine Dinge, wie zum Beispiel Hocker, und machen kleine
Praktika in Betrieben.

Aber auch die normalen Schulfächer wie Deutsch, Mathe, Ethik oder Sozialkunde sind einfach viel praktischer ausgerichtet. In Deutsch üben wir zum Beispiel Bewerbungsschreiben, in Sozialkunde besprechen wir Gesetze, die für den Beruf relevant sind. Früher habe ich in Mathe etwas gerechnet und wusste nicht, wofür ich das tue. Jetzt haben wir Holzmaße und Dinge berechnet, mit denen ich konkret was anfangen kann. Das war schon super.“

Das zweite Jahr – im Betrieb
„Das zweite Jahr verbringt man hauptsächlich – bis auf einen Schultag die Woche – im Betrieb, den man sich zuvor ausgesucht hat. Ich war in einer kleinen Schreinerei, die alles gemacht hat, von Massivholzmöbeln bis zur Fenstermontage. Es ist schon toll, wenn man sieht, was bei der eigenen Arbeit herauskommt. Weniger Spaß macht es, wenn man längere Zeit immer das Gleiche machen muss, also zwei Wochen nur alte Fenster abkratzen, das ist nicht so cool.“

Das dritte Jahr – auf dem Weg zum Gesellen
„Das dritte Jahr ist eigentlich ähnlich wie das zweite, nur entwirft und arbeitet man nebenbei auch noch an seinem Gesellenstück. Ich habe einen Massivholzschreibtisch aus Esche gebaut.“

Wie geht es weiter?
„Jetzt will ich erst mal ein Jahr durch die Gegend reisen und kleinere Jobs annehmen. Für 2023 habe ich die Zusage für die Meisterschule in Garmisch. Danach will ich mich mit ein paar Freunden selbstständig machen und eine eigene Schreinerei aufbauen. Dann wollen wir auch das Prinzip Chef oben, Angestellter unten durchbrechen. Vielleicht spezialisiere ich mich auf den Bau von Massivholzmöbeln, das ist nachhaltig, das gefällt mir. Oder ich baue Campingbusse individuell aus. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, kein Abi zu machen und nicht den akademischen Weg einzuschlagen. Das Praktische entspricht mir viel mehr und macht einfach Spaß.“

Text: Silke-Katinka Feltes

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