
Alle wischen. Einer liest. Jakob Oberndörfer, Schüler aus Weil, steht auf Seiten statt auf Screens. Während die Welt scrollt, sucht er Tiefe. Für ihn ist Lesen kein Retro-Hobby, sondern Superkraft – und vielleicht die letzte Bastion echter Vorstellungskraft.
Was wäre, wenn niemand mehr Bücher lesen würde? Wenn schon Grundschulkinder mit Handy aufwachsen? Nur noch kurze Clips, schnelle Bilder und bunte Oberflächen? Wenn Geschichten nicht mehr im Kopf entstehen, sondern vorgefertigt auf Bildschirmen laufen? Klingt wie eine Dystopie? Ist es auch. Eine Welt, die ständig blinkt, aber selten in die Tiefe geht. Fantasie, Empathie, Sprachgefühl? Verkümmert.
Und genau dagegen stemmt sich Jakob Oberndörfer, 16, aus Weil. Schüler der 11. Klasse am Ignaz-Kögler-Gymnasium Landsberg. Einer, der freiwillig in der Pause in der Schulbibliothek arbeitet. Dienstags, mittwochs, donnerstags – seine festen Schichten. Jakob ist so etwas wie der Hüter einer kleinen literarischen Oase, die zwei Lehrerinnen vor ein paar Jahren wiederbelebt haben.
Dass die Lehrerinnen damals direkt auf ihn zugingen, war kein Zufall. Schon als Grundschüler hat er gerne gelesen – infiziert von Harry Potter wie so viele. Heute verschlingt er Steampunk-Abenteuer wie Stormdancer und liebt Eschbach-Romane. Für Jakob ist Lesen kein Konsum, sondern eine Superkraft: „Das Buch liefert die Grundlage – aber die Welt entsteht im Kopf.“
Natürlich ist Jakob kein weltfremder Bücherwurm. Er spielt Baseball bei den Crusaders, Tischtennis, Saxophon. Er tüftelt am 3D-Drucker. 2023 saß er sogar in der Jury des Vorlesewettbewerbs Landsberg – mit 14 Jahren als Experte für gute Leseleistungen. Auch er weiß, wie verführerisch das Handy ist – dieses kleine Ding, das ständig blinkt, piept, Aufmerksamkeit fordert. Aber er weiß auch, dass man ihm Grenzen setzen muss, wenn man die große, stille Magie des Lesens nicht verlieren will.
Lesen, sagt Jakob, lässt ihn die Zeit, den Alltag vergessen. Und es schenkt ihm mehr: Sprachgefühl, ein Gespür für Geschichten und die Fähigkeit zu vernetztem Denken. Vielleicht ist das Lesen heute eine stille Form von Widerstand. Gegen die Hektik, gegen das Oberflächliche, gegen das ewige Wischen.Jakob beweist, dass es auch 2025 noch Jugendliche gibt, die Bücher nicht als Relikt sehen, sondern als Schlüssel. Schlüssel zu anderen Welten, zu neuen
Perspektiven aber auch zu sich selbst.
Und wer weiß: Vielleicht hängt die Zukunft unserer Fantasie tatsächlich von Leuten wie ihm ab.





