Local Heroes

Die drei Lieblingsplätze von Malik Harris

„Rockstars“ ist der Song, mit dem der Landsberger Malik Harris den deutschen Vorentscheid zum ESC gewonnen hat.
Wir haben einen sonnigen Nachmittag mit dem Singer-Songwriter verbracht.

Abseits des Trubels und doch mittendrin: Die kleine Empore an der Lechpromenade.

Die Karriere beginnt

Hier fängt die Geschichte des Musikers Malik Harris an: Im „aQuadrat“, heute „Zim-mer“. In der kleinen, beliebten Bar an der Karolinenbrücke. Hier kellnert Malik nach dem Abi. Schon eine Zeitlang klopft er an allen möglichen Bars in München und Umgebung an und fragt nach einer Auftrittsmöglichkeit. Ich will endlich raus mit meiner Musik. Im „aQuadrat“ ist es einfach, das kennt er, hier kann er seinen Auftritt selbst gestalten.
Es war ein wunderbar warmer Sommertag und im Publi-kum, saß Marie Kobylka, die Sängerin der Münchner Band Cosby. Sie bringt Malik mit Robin Karow von Cosby zusammen. Der sagt: „Maliks Stimme, seine Liebe zu Instrumenten und Musik und seine coole, aber sympathische Art haben mich sofort überzeugt. Wir sind musikalisch, aber vor allem menschlich auf einer Wellenlänge.“ Heute ist Robin Manager, Mitproduzent und Freund von Malik.

Auf der Suche

Abi in der Tasche. Vielleicht Fußballer werden? Malik spielt beim VfL Kaufering. Er ist gut. Oder doch Sprachen studieren? Wer zweisprachig aufwächst, tut sich mit neuen Sprachen meist leicht. Also Englisch und Französisch an der Uni Augsburg. Irgendwann merkt er in den Vorlesungen, dass er gar nicht mehr zuhört, sondern neue Songtexte schreibt. Seine Ma sagt: Ich will, dass du glücklich wirst. Nimm dir ein Jahr Auszeit. Und in dem Jahr, sagt Malik, ging es richtig los.

Der Autodidakt

Eine einzige Stunde Musikunterricht reicht. Er weiß sofort: Das ist nicht meins. Keine Theorie, kein Notenlesen, keine Regeln. Er singt gerne, schon immer. Mit 12 kauft er im Internet eine billige Gitarre. Ewig lange wusste ich nicht, wie man eine Gitarrensaite wechselt, das hat mir nie jemand gezeigt. Im IKG wählt er Musik als Schulfach ab, zu theoretisch. Lieber Kunst. Das ist freier.
Er bringt sich Gitarre, Keyboard, Drums, Bass, alles selbst bei. Und die Songs, wie entstehen die? Erst kommen ein paar Akkorde, dann summe ich so lange rum, bis ich eine Melodie habe. Dann kommt das, was ich Spaghetti-Text nenne. Erst mal nur Wörter ohne viel Sinn. Ich bin ein Wortklangfreak, es muss phonetisch passen. Manchmal suche ich ewig nach einem fucking Wort, wie nach einem Puzzleteil.

An der Blauen Lagune hinter der Teufelsküche findet er immer Inspiration.

Das Naturkind

Ich bin definitiv ein Draußen-Kind. Gerade eben noch die Generation, die ohne Handy aufgewachsen ist. Auf dem Land, in Issing, übrigens in direkter Nachbarschaft mit der ­Familie von Julian Nagelsmann. Berlin, München, New York, Hamburg? Tolle Städte, ja, gerne reisen, ja, aber bitte Landsberg zum Leben. Die Blaue Lagune hinter der Teufelsküche ist einer seiner Lieblingsplätze. Ein verwunschener Ort. Fast surreal. Im Winter sieht es aus wie in Narnia, sagt Malik. Im Frühling, im Sommer kann man sich an dem tieftürkis bis meerjungfrauengrünfarbenen Wasser nicht satt sehen. Unfassbar schön! Nur wenige Menschen gehen den Weg von Landsberg aus dorthin und Malik genießt die Ruhe und die Natur. Das ist das kälteste Wasser der Welt, aber irgendwann springe ich da rein.

Sein zweiter „Geheimplatz“ ist die Betonempore unterhalb der Lechmauer. Total cool, man sitzt mitten in der Stadt direkt am Wasser und ist trotzdem komplett von den Massen abgeschottet. Ein Bier dabei, ein bisschen Musik. Perfekt.

Der Höhepunkt

Der nationale Vorentscheid zum ESC, dem Eurovision Song Contest. Alle haben gesagt, als Erster hast du keine Chance. Aber Malik ist entspannt – eh eine seiner Grundhaltungen – er kennt das: Als Support Act größerer Bands war er schon oft unterwegs. Ich mag das: den Abend zu eröffnen. Sein Song „Rockstars“ ist kein typischer ESC-Song. Dabei sein ist alles, denkt er und ist selbst am meisten überrascht, als er als Sieger nach Hause fährt und am 14. Mai Deutschland beim ESC vertreten wird.

Der Traum

Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was ich will: Irgendwann gehe ich auf Welttournee und irgendwo, genau auf der anderen Seite der Erde, in Neuseeland oder so, gebe ich ein großes Konzert, in einem Stadion, Open Air. Und dann spiele ich ein, zwei Akkorde und sofort geht die Stimmung ab, die Leute singen mit. Ich hab das genau vor Augen.

Im „aQuadrat“ hat seine Karriere angefangen.

Seine Vorbilder

Meine früheste Erinnerung an Musik? Zu Hause bei uns lief die alte History-Platte von Michael Jackson hoch und runter. Michael Jackson ist definitiv ein musikalisches Vorbild. Auch Alicia Keys, James Morrison, Queen. Das hat ihn geprägt. Heute nennt er als Vorbilder: Twenty One Pilots, den amerikanischen Rapper NF und Eminem. Oder die neue Platte von Imagine Dragons.

Black Lives Matter

Wenn Malik Harris lacht, geht die Sonne auf. Das ist einfach so. Das liegt an seinem Gesicht. Doch der Eindruck eines Sunnyboys täuscht. Dahinter schimmert der ernste junge Mann durch. Einer, der an dem strukturellen und unterschwelligen Rassismus verzweifelt und – auch mit seiner Musik – dagegen aufbegehren will. Jemand, der politisch denkt. Der sich, seine Umgebung und das Weltgeschehen reflektiert.

Der sagt: Songschreiben ist für mich Selbsttherapie.

Wer einen Eindruck dieses nachdenklichen Malik Harris erleben will, dem sei die halbstündige, berührende Video-Dokumentation von der Entstehung seines Songs „Time for wonder“ ans Herz gelegt. Übrigens eine Produktion seines Freundes Robin Karow.

robinkarow.de/?portfolio=malik-harris-amazon-original-documentary

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Die drei Lieblingsplätze von Malik Harris

„Rockstars“ ist der Song, mit dem der Landsberger Malik Harris den deutschen Vorentscheid zum ESC gewonnen hat.
Wir haben einen sonnigen Nachmittag mit dem Singer-Songwriter verbracht.

Abseits des Trubels und doch mittendrin: Die kleine Empore an der Lechpromenade.

Die Karriere beginnt

Hier fängt die Geschichte des Musikers Malik Harris an: Im „aQuadrat“, heute „Zim-mer“. In der kleinen, beliebten Bar an der Karolinenbrücke. Hier kellnert Malik nach dem Abi. Schon eine Zeitlang klopft er an allen möglichen Bars in München und Umgebung an und fragt nach einer Auftrittsmöglichkeit. Ich will endlich raus mit meiner Musik. Im „aQuadrat“ ist es einfach, das kennt er, hier kann er seinen Auftritt selbst gestalten.
Es war ein wunderbar warmer Sommertag und im Publi-kum, saß Marie Kobylka, die Sängerin der Münchner Band Cosby. Sie bringt Malik mit Robin Karow von Cosby zusammen. Der sagt: „Maliks Stimme, seine Liebe zu Instrumenten und Musik und seine coole, aber sympathische Art haben mich sofort überzeugt. Wir sind musikalisch, aber vor allem menschlich auf einer Wellenlänge.“ Heute ist Robin Manager, Mitproduzent und Freund von Malik.

Auf der Suche

Abi in der Tasche. Vielleicht Fußballer werden? Malik spielt beim VfL Kaufering. Er ist gut. Oder doch Sprachen studieren? Wer zweisprachig aufwächst, tut sich mit neuen Sprachen meist leicht. Also Englisch und Französisch an der Uni Augsburg. Irgendwann merkt er in den Vorlesungen, dass er gar nicht mehr zuhört, sondern neue Songtexte schreibt. Seine Ma sagt: Ich will, dass du glücklich wirst. Nimm dir ein Jahr Auszeit. Und in dem Jahr, sagt Malik, ging es richtig los.

Der Autodidakt

Eine einzige Stunde Musikunterricht reicht. Er weiß sofort: Das ist nicht meins. Keine Theorie, kein Notenlesen, keine Regeln. Er singt gerne, schon immer. Mit 12 kauft er im Internet eine billige Gitarre. Ewig lange wusste ich nicht, wie man eine Gitarrensaite wechselt, das hat mir nie jemand gezeigt. Im IKG wählt er Musik als Schulfach ab, zu theoretisch. Lieber Kunst. Das ist freier.
Er bringt sich Gitarre, Keyboard, Drums, Bass, alles selbst bei. Und die Songs, wie entstehen die? Erst kommen ein paar Akkorde, dann summe ich so lange rum, bis ich eine Melodie habe. Dann kommt das, was ich Spaghetti-Text nenne. Erst mal nur Wörter ohne viel Sinn. Ich bin ein Wortklangfreak, es muss phonetisch passen. Manchmal suche ich ewig nach einem fucking Wort, wie nach einem Puzzleteil.

An der Blauen Lagune hinter der Teufelsküche findet er immer Inspiration.

Das Naturkind

Ich bin definitiv ein Draußen-Kind. Gerade eben noch die Generation, die ohne Handy aufgewachsen ist. Auf dem Land, in Issing, übrigens in direkter Nachbarschaft mit der ­Familie von Julian Nagelsmann. Berlin, München, New York, Hamburg? Tolle Städte, ja, gerne reisen, ja, aber bitte Landsberg zum Leben. Die Blaue Lagune hinter der Teufelsküche ist einer seiner Lieblingsplätze. Ein verwunschener Ort. Fast surreal. Im Winter sieht es aus wie in Narnia, sagt Malik. Im Frühling, im Sommer kann man sich an dem tieftürkis bis meerjungfrauengrünfarbenen Wasser nicht satt sehen. Unfassbar schön! Nur wenige Menschen gehen den Weg von Landsberg aus dorthin und Malik genießt die Ruhe und die Natur. Das ist das kälteste Wasser der Welt, aber irgendwann springe ich da rein.

Sein zweiter „Geheimplatz“ ist die Betonempore unterhalb der Lechmauer. Total cool, man sitzt mitten in der Stadt direkt am Wasser und ist trotzdem komplett von den Massen abgeschottet. Ein Bier dabei, ein bisschen Musik. Perfekt.

Der Höhepunkt

Der nationale Vorentscheid zum ESC, dem Eurovision Song Contest. Alle haben gesagt, als Erster hast du keine Chance. Aber Malik ist entspannt – eh eine seiner Grundhaltungen – er kennt das: Als Support Act größerer Bands war er schon oft unterwegs. Ich mag das: den Abend zu eröffnen. Sein Song „Rockstars“ ist kein typischer ESC-Song. Dabei sein ist alles, denkt er und ist selbst am meisten überrascht, als er als Sieger nach Hause fährt und am 14. Mai Deutschland beim ESC vertreten wird.

Der Traum

Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was ich will: Irgendwann gehe ich auf Welttournee und irgendwo, genau auf der anderen Seite der Erde, in Neuseeland oder so, gebe ich ein großes Konzert, in einem Stadion, Open Air. Und dann spiele ich ein, zwei Akkorde und sofort geht die Stimmung ab, die Leute singen mit. Ich hab das genau vor Augen.

Im „aQuadrat“ hat seine Karriere angefangen.

Seine Vorbilder

Meine früheste Erinnerung an Musik? Zu Hause bei uns lief die alte History-Platte von Michael Jackson hoch und runter. Michael Jackson ist definitiv ein musikalisches Vorbild. Auch Alicia Keys, James Morrison, Queen. Das hat ihn geprägt. Heute nennt er als Vorbilder: Twenty One Pilots, den amerikanischen Rapper NF und Eminem. Oder die neue Platte von Imagine Dragons.

Black Lives Matter

Wenn Malik Harris lacht, geht die Sonne auf. Das ist einfach so. Das liegt an seinem Gesicht. Doch der Eindruck eines Sunnyboys täuscht. Dahinter schimmert der ernste junge Mann durch. Einer, der an dem strukturellen und unterschwelligen Rassismus verzweifelt und – auch mit seiner Musik – dagegen aufbegehren will. Jemand, der politisch denkt. Der sich, seine Umgebung und das Weltgeschehen reflektiert.

Der sagt: Songschreiben ist für mich Selbsttherapie.

Wer einen Eindruck dieses nachdenklichen Malik Harris erleben will, dem sei die halbstündige, berührende Video-Dokumentation von der Entstehung seines Songs „Time for wonder“ ans Herz gelegt. Übrigens eine Produktion seines Freundes Robin Karow.

robinkarow.de/?portfolio=malik-harris-amazon-original-documentary

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