Der sehr rührige Verein Kulturlandschaft Ammersee bringt in regelmäßigen Abständen interessante Publikationen über unsere Region heraus. Jetzt ist eine neue Schrift erschienen, die sich mit der Verlandung am Ammersee Südende beschäftigt.
Der Schondorfblog-Autor Leopold Ploner fasst für uns zusammen.

Die Ammerseelandschaft, wie wir sie heute kennen, entstand während der letzten Eiszeit vor rund 25.000 Jahren. Die Alpengletscher endeten ungefähr da, wo wir jetzt leben. Selbst Andechs war damals von einer 100 Meter hohen Eisschicht bedeckt. Die Eismassen drückten mit unvorstellbaren 360 Tonnen pro Quadratmeter auf den Boden. Mit dem Rückzug der Gletscher wurden riesige Stein- und Geröllmassen bewegt. Diese Moränen prägen noch heute unsere Landschaft mit ihren Hügeln, Tälern und Seen.
Damals war der Ammersee deutlich größer als heute. Der Wasserspiegel lag rund 20 Meter über dem heutigen Niveau, und der See erstreckte sich über 35 Kilometer von Grafrath bis Polling. Durch das abfließende Schmelzwasser wurde das Tal der Amper ausgewaschen und der See lief gewissermaßen aus. Das ist jetzt etliche Jahrtausende her. Die Verlandung am Ammersee geht aber auch in jüngerer Vergangenheit weiter. Diesen neueren Ereignissen widmet sich das Buch „Verlandungen am Ammersee Südende“ von Dr. Christoph Sening.
Das Südende wird von drei Landzungen geprägt, die aus den Mündungen der Ammer hervorgegangen sind. Der Gebirgsfluss lässt den See durch seine mitgeführten Sedimente allmählich verlanden. Dazu kommen die von Menschenhand geschaffene Veränderungen des Ammerlaufs. Anhand von Zeichnungen, Karten und Fotos erklärt Dr. Sening die Ursachen und den Verlauf der drei Mündungen der Ammer in den See.
Am Ende des Buches macht er konkrete Vorschläge, wie diese Entwicklung beeinflusst werden könnte. Besonders geht es ihm dabei darum, wie der seit der Regulierung in den 1920er-Jahren gewundene Verlauf der alten Ammer besser mit Frischwasser versorgt werden kann, um ihn als landschaftlich und ökologisch wertvolles Gebiet zu erhalten.
So fundiert wie das Ganze geschrieben ist, war ich überrascht zu erfahren, dass Dr. Christoph Sening kein Geowissenschaftler oder Paläontologe ist. Nein, er ist ehemaliger Verwaltungsrichter, dem schon sein Vater einen genauen Blick für die Natur beigebracht hat. Aus Sorge um den Fortbestand der Kulturlandschaft am Ammersee hat er in 65 Jahren das Material zusammengetragen, das jetzt als Publikation veröffentlicht wurde.
Senings Vater kommt dabei noch in einer anderen Rolle ins Spiel. Der war nämlich als Fotograf in Dießen tätig und hinterließ ein reichhaltiges Bildarchiv. Aus diesem Fundus schöpft das Buch. Es macht zum ersten Mal eine ganze Reihe historischer Luftaufnahmen der Öffentlichkeit zugänglich. Das macht die Publikation nicht nur zu einem Lesevergnügen, sondern auch zu einem Augenschmaus.
Verlandung am Ammersee Südende
Recherchiert und gestaltet von Dr. Christoph Sening
44 Seiten
Erschienen bei Kulturlandschaft Ammersee-Lech e.V.
Zu beziehen über
info@kulturlandschaft-ammersee-lech.de
